Ältere CED-Patient*innen können nicht wie jüngere behandelt werden

ältere Frau liegt auf einer Hängematte

Fakt ist, wir leben in einer alternden Gesellschaft und das kann Folgen für unser Gesundheitssystem haben.1 So zeigte sich in den letzten Jahren sowohl ein Anstieg bei der Anzahl an Patient*innen, die mit CED alt werden, als auch bei der Anzahl der Erstdiagnosen bei über 60-Jährigen.2, 3 Ein Fazit aus den Vorträgen und Diskussionen zu diesem Thema beim N-ECCO 2021 war: Die Zunahme an älteren Patient*innen bringt neue Herausforderungen hinsichtlich der Diagnostik, Therapie und des Managements von CED-Patient*innen mit sich.2, 3 Denn mit dem Alter der Patient*innen steigt nicht selten die Anzahl an Komorbiditäten und dadurch bedingt, die Notwendigkeit einer Polypharmazie.2, 3 Begleitend können die altersbedingten Einschränkungen der körperlichen und geistigen Fähigkeiten von Patient*innen eine Herausforderung an das behandelnde Personal und für die Auswahl der Medikation sein.2 Aber was bedeutet das für das CED-Management? Ist unser Gesundheitssystem gut darauf vorbereitet?

Diagnostik und Therapie – eine Herausforderung bei CED im Alter

Beim N-ECCO vorgestellte Daten zeigten, dass es bei den über 60-Jährigen mit einer erstmals diagnostizierten CED, initial zu mehr als 60 % Fehldiagnosen kommt.2 Eine erschreckend hohe Zahl. Aber warum ist das so? Im Laufe des Lebens erworbene Komorbiditäten und die damit einhergehende Symptomatik können Gründe dafür sein.2 Gerade Symptome, die nicht eindeutig einer Erkrankung zuordenbar sind, lassen scheinbar das Risiko für Fehldiagnosen steigen.2, 3 Ist die Krankheitsgeschichte der Patient*innen zudem noch komplex und undurchsichtig, kommt dies erschwerend hinzu. Um eine Fehldiagnose zu vermeiden, sollte daher z. B. eine gründliche Anamnese mit entsprechenden Untersuchungen erfolgen.4 Ziel ist es, in der Symptomatik überlappende Krankheiten, wie beispielsweise eine infektiöse Gastroenteritis, auszuschließen und damit eine eindeutige Diagnose der CED zu ermöglichen.4 Generell ist dabei ein nicht invasives Vorgehen zu bevorzugen.5

Auch die Therapie von CED im Alter kann eine Herausforderung sein.2 Ein ganzheitlicher Ansatz zur Balance zwischen Krankheitsmanagement und Therapielast der Patient*innen sei nötig,3 da sind sich die Referent*innen im Symposium „The Silverstorm is here! A candid conversation on geriatric care and IBD“ einig. Nicht nur die Erkrankung selbst, sondern der Mensch in seiner Gesamtheit sollte mit einbezogen werden. Dazu gehören auch die bisherige Therapielast durch die Behandlung von Komorbiditäten sowie die Risiken einer Immunsuppression.2 Denn mit steigendem Alter steigt auch das Krebsrisiko.2 Aufgrund der möglichen Wechselwirkungen ist besondere Vorsicht auch im Umgang mit der Polypharmazie geboten.2, 3 Vor jeder Behandlung ist gerade bei älteren Patient*innen eine Nutzen-Risiko-Bewertung wichtig.2 Die medikamentöse, symptomatische, emotionale, soziale und psychische Belastung der Patient*innen sollte so gering wie möglich gehalten werden.2, 3 Bei älteren Patient*innen sei es zudem generell sinnvoll, weitere Fachexpert*innen, wie beispielsweise Geriater*innen, zum multidisziplinären Team mit hinzuzuziehen, erklärt eine Teilnehmerin.

Betreuung älterer CED-Patient*innen

In der Begleitung der Patient*innen hat gerade die MFA die Möglichkeit, Bedürfnisse der Patient*innen zu erkennen, zu erfragen und im Interesse der Patient*innen entsprechend zu reagieren. Diese Bedürfnisse lassen sich meist aus den kognitiven und physischen Fähigkeiten, sozialen Umständen sowie der Medikation der Patient*innen ableiten.2 Hierbei sollte man sich jedoch nicht auf eigene Annahmen verlassen, sondern die individuellen Bedürfnisse mit den Patient*innen besprechen.6 So könnte eine möglichst optimale Therapietreue und Versorgung der Patient*innen besser realisiert werden, wie Studien zeigten.2

Hinsichtlich der Therapie gibt es Nachholbedarf bei fundierten Studiendaten zu CED-Patient*innen über 60 Jahren.2, 3 Aktuell ist die Datenlage für ältere CED-Patient*innen schwach, da gerade diese Altersgruppe oftmals nicht mit in Studien eingeschlossen wird oder deutlich unterrepräsentiert ist.2, 3 Aber nicht nur der Mangel an Studien erschwert die Therapie und Versorgung der Patient*innen. Es fehle auch an Schulungen und Schulungsmaterialien für das Fachpersonal, die speziell auf ältere CED-Patient*innen zugeschnitten seien, berichtet eine Teilnehmerin. Zudem werden altersgerechte Informationsmaterialien, die die individuellen Fähigkeiten der Betroffenen berücksichtigen, benötigt. Gerade in diesen Bereichen könne noch optimiert werden, so die Teilnehmerin weiter.

Fazit

Was gibt es noch zu tun? Um für eine Gesellschaft mit mehr älteren CED-Patient*innen gewappnet zu sein, sollte mit einem ganzheitlichen Ansatz aufgerüstet werden. Insbesondere gilt es, soziale, kognitive, physische, emotionale und klinische Bedürfnisse der Patient*innen für eine optimale Versorgung zu vereinen. Definitiven Aufholbedarf gibt es zudem bei Studien und bedürfnisgerechten Informationsmaterialien für Betroffene und Fachpersonal.

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