Kompetenzen der MFA

Seit der Veröffentlichung der Leitlinie „Second N-ECCO Consensus Statements“ zur Rolle der MFA in der Versorgung von CED-Patient*innen in 2018 sind 3 Jahre vergangen.1 In der Leitlinie wurde eine Standardisierung und Professionalisierung der CED-Fachassistenz in der Behandlung und Begleitung von CED-Patient*innen formuliert.1 Wie schon in den letzten Jahren wurde dieses Thema auch dieses Jahr wieder aufgegriffen. In der Session „IBD Nurse Role in Management of IBD“ standen die Rolle und die nötigen Kompetenzen der MFA beim Thema „Schmerz während einer Remission“ sowie im chirurgischen Behandlungspfad im Mittelpunkt.

Schmerzen während der Remission – die MFA im Fokus

Rund 20 % der CED-Patient*innen berichten über anhaltende Schmerzen trotz klinischer und endoskopischer Remission.2 In vielen Fällen sei die Ursache unklar, so der Referent. Vorgestellte Studien zeigen, dass es sich meist um eine multifaktorielle Ursache ohne direkten Zusammenhang mit einem Krankheitsschub und dem damit einhergehenden Entzündungsprozess handelt.1, 2 Mögliche Auslöser dieser krankheitsunabhängigen Schmerzen können u. a. psychologische Beeinträchtigungen sein, wie eine vorgestellte Studie zeigte.3

Der erste Ansprechpartner für betroffene Patient*innen ist meist die MFA. Damit nimmt sie eine Schlüsselposition im Kontakt mit den Patient*innen ein.1 Das ermöglicht ihr, frühzeitig die Beschwerden zu erkennen und im multidisziplinären Team (MDT) zur Diskussion zu stellen.1 Die MFA kann in ihrer Rolle auch dafür sorgen, dass Patient*innen über mögliche Ursachen aufgeklärt, entsprechend behandelt und wenn nötig z. B. psychologisch unterstützt werden.1 Um diesen Anforderungen gerecht zu werden, sollten die MFAs intensiv geschult werden.1 Ein Thema, das auch schon in den N-ECCO Consensus Statements von 2018 aufgegriffen und definiert1 wurde, wie eine Teilnehmerin berichtet.

Die MFA im chirurgischen Behandlungspfad

Die zweite Präsentation der Session war ein Tandem-Vortrag von zwei erfahrenen MFAs, die auf die Patient*innenbegleitung vor und nach einem chirurgischen Stoma-Eingriff bei CED spezialisiert sind. Es wurde schnell klar: Operationen sind stets eine mögliche Therapieoption bei CED und das schon früh im Behandlungspfad.4 Gerade chirurgische Eingriffe sind oft sehr negativ besetzt.4 So wird ein operativer Eingriff meist als letzte Möglichkeit gesehen, nachdem alles andere versagt hat.4 Zu Unrecht, wie die Referentinnen angeben. Als therapeutisches Mittel ist die Operation bei CED ein adäquates Instrument.4 Die Betroffenen müssen früh und intensiv auf eine mögliche Operation vorbereitet und entsprechend unterstützt werden.4 Dafür sei besonders wichtig, die MFAs mit entsprechenden Kompetenzen auszurüsten, darüber waren sich die Referentinnen einig.1 Aber auch in der Nachsorge ist die MFA den Patient*innen meist am nächsten. Gerade psychische Probleme wie Ängste und Depressionen können von geschulten MFAs aufgefangen und wenn nötig eine weitere Behandlung eingeleitet werden.4

Nur mit einer intensiven Schulung könnte die MFA zu einem/einer Fürsprecher*in für das physische, emotionale und sexuelle Wohlbefinden der Patient*innen werden.1, 4 Ein Punkt, der schon 2018 in den N-ECCO Consensus Statements aufgegriffen,1 aber bisher in Deutschland nur vereinzelt umgesetzt wurde, so eine Teilnehmerin. Als Informationsquelle mit Tipps und Empfehlungen für die Betreuung von Stoma- und Pouch-Patient*innen in der postoperativen Phase wurde auch ein im St. Mark´s Hospital (London) entwickelter Leitfaden vorgestellt. Leider ist dieser bisher nur in englischer Sprache verfügbar.5

Fazit

Die MFA befindet sich in einer Schlüsselposition für Patient*innen und das multidisziplinäre Team (MDT). Eine Standardisierung der Rolle gibt es in Deutschland nur vereinzelt. Der Grundstein, um die MFA als CED-Fachassistenz zu professionalisieren, wurde mit den N-ECCO Consensus Statements 2018 bereits gelegt. Seitdem gibt es in Deutschland noch viel Luft nach oben und ein großes, weitgehend ungenutztes Potential in der Entwicklung der MFA als CED-Fachassistenz für Patient*innen und Klinik/Praxis.

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