Wichtige Säulen in der Betreuung von CED-Patienten

Wichtige Säulen in der Betreuung von CED-Patienten: „Empowerment“ und „Treat-to-target“

Bei Patienten mit einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung (CED) kommt es auf eine wirksame und konsequente Therapie an. Treat-to-target, ein zielgerichtetes Behandlungskonzept hilft dabei einzuschätzen, ob das Behandlungsziel bereits erreicht wurde oder ob die Therapie angepasst werden muss. Für den Erfolg dieses Konzeptes ist die Mitarbeit der medizinischen Fach- und Pflegekräfte von besonderer Bedeutung. Im Rahmen eines von Takeda veranstalteten Symposiums für Pflege- und Fachkräfte auf dem 13. Jahreskongress der ECCO (European Crohn’s and Colitis-Organisation) 2018 wurde der Grundgedanke des Treat-to-target-Konzeptes und seine Voraussetzungen von Experten vorgestellt und intensiv diskutiert.1

Die Diagnose Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa beeinflusst eine Vielzahl sozialer Faktoren des täglichen Lebens. Dazu gehören nicht nur die körperliche Belastung durch die Symptome der CED, sondern auch die Auswirkungen auf die psychische Gesundheit und die Lebensziele des Patienten.

Unabhängig davon, ob die Diagnose erst kürzlich gestellt wurde oder ob die Erkrankung bereits seit mehreren Jahren besteht, ist es für den Patienten wichtig, die möglichen Auswirkungen auf den Alltag zu kennen, um damit eigene Entscheidungen treffen und besser mit dem Alltag umgehen zu können. Das sogenannte Empowerment von Patienten spielt dabei eine wichtige Rolle. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) definiert Empowerment als einen Prozess, durch den Personen mehr Kontrolle über Entscheidungen bekommen, die sich auf ihre Gesundheit auswirken.1

Empowerment ist ein therapeutischer Ansatz in der Praxis, der den Patienten ermutigt, die eigenen Stärken zu entdecken, und ihn unterstützt, ein selbstbestimmtes Leben zu führen.

Die WHO benennt vier Säulen, um das Empowerment von Patienten zu stärken:2

  • Das Verständnis des Patienten, welche Rolle er in der Behandlung einnimmt

  • Die Aneignung eines grundlegenden Wissens des Patienten über seine Erkrankung, um eine Kommunikation mit seinem Arzt bzw. dem medizinischen Betreuer zu ermöglichen

  • Fähigkeiten/Kompetenzen des Patienten

  • Ein den Patienten unterstützendes Umfeld

Medizinische Fach- und Pflegekräfte spielen bei der Kommunikation mit dem Patienten eine entscheidende Rolle. Sie haben durch ihren direkten Kontakt zu den Patienten die Möglichkeit, das Empowerment des Patienten zu stärken, indem sie ihm das notwendige Wissen über seine Erkrankung und die Therapie verständlich kommunizieren. Die Therapieziele können mündlich oder anhand von Abbildungen erklärt werden. Dazu gehört eine abschließende Zusammenfassung sowie ein kurzes Überprüfen, ob der Patient auch wirklich alles verstanden hat und keine Fragen offen sind. Eine optimale Patientenkommunikation ist gerade innerhalb eines multidisziplinären Teams von grundlegender Bedeutung. „Wenn der Patient über ein gewisses Fachwissen verfügt, sein Empowerment gestärkt ist, kann er an der Ausarbeitung der Behandlungsstrategie aktiv teilnehmen und damit auch das Ziel seiner Therapie eigenständig verfolgen“, erklärte Catherine Standfield, Selford, England, in ihrem Vortrag.

Zielgenaue Behandlung der CED – das Treat-to-target-Konzept

Bei CED kommt es auf eine wirksame und konsequente Therapie an. Ihr Ziel ist es, die Erkrankung zu kontrollieren und dauerhafte Schäden am Darm sowie Komplikationen zu vermeiden. Dabei ist nicht nur entscheidend, die individuell passende Behandlung zu finden, sondern diese auch möglichst in einem frühen Krankheitsstadium, also möglichst bald nach der Diagnosestellung zu starten.3

Das Treat-to-target Konzept zum Therapiemanagement hilft dabei, den Erkrankungsverlauf sowie den Therapieerfolg einzuschätzen und zu entscheiden, ob an der Behandlung, die auf ein spezielles Therapieziel ausgerichtet ist, etwas geändert werden muss. Das Treat-to-target-Prinzip gilt heute als strategisches Vorgehen der Wahl im Therapieablauf.

Ziel des Konzepts ist es, die Kontrolle der Darmentzündung zu erreichen. Dafür werden individuell auf den Patienten zugeschnittene Zielvorgaben festgelegt, um letztendlich die Abheilung der Darmentzündung zu erzielen und dauerhaft zu erhalten. Durch engmaschige Kontrollen kann der behandelnde Arzt überprüfen, ob die Therapie wirkt. Neben der Erfassung von Beschwerden wie Durchfall oder Schmerzen werden beim Treat-to-Target-Konzept zusätzlich bestimmte Laborwerte, sogenannte Biomarker, gemessen. Sie zeigen an, ob eine Entzündung vorhanden ist. Mit der engmaschigen Therapieüberwachung kann die Behandlung optimal gesteuert und die Erkrankung besser unter Kontrolle gebracht werden.

Die Therapieziele des Treat-to-target-Konzeptes sollten mit den Patienten gemeinsam abgestimmt und seine Erwartungen bzw. Ängste dabei berücksichtigt werden. Die Behandlungsziele von Ärzten und Patienten stimmen jedoch nicht immer überein. Patienten möchten in der Regel schnell symptomfrei sein und ein normales Stuhlverhalten haben sowie rasch wieder eine gute Lebensqualität erreichen.4 Im Vergleich dazu legen Ärzte in der Regel den Schwerpunkt auf die klinischen Langzeiteffekte einer Therapie. Dazu gehören die anhaltende Remission, das heißt keine Rückfälle, und dauerhafte Abheilung der Schleimhautentzündung des Darmes4, um Komplikationen und Krankenhausaufenthalte des Patienten zu vermeiden.

Als MFA können Sie Ihre Patienten darin unterstützen, ihre eigene Meinung über die Krankheit zu entwickeln und ihre Therapieziele selbst zu definieren. Sie sind unentbehrlich für die Aufklärung des Patienten und können bei Missverständnissen als Vermittler zwischen Patienten und Behandler auftreten. Das wichtigste Ziel sollte dabei immer das Wohl des Patienten sein. „Patienten müssen klar nach ihren Lebenszielen gefragt werden, damit die Behandlungsziele dementsprechend angepasst werden können“, betonte Dr. Pieter Hindryckx, Gent, Belgien, in seinem Vortrag. Jede Treat-to-Target-Strategie muss auf den einzelnen Patienten und seine Bedürfnisse sowie an das Stadium der Erkrankung abgestimmt werden.

Zusammenfassung

Die CED ist eine fortschreitende Erkrankung, die den Patientenalltag tiefgreifend beeinflusst. Ziel der möglichst frühzeitigen Therapie ist es, die Erkrankung zu kontrollieren und dauerhafte Schäden am Darm sowie Komplikationen zu vermeiden. Das Treat-to-Target-Konzept zum Therapiemanagement hilft dabei, den Therapieerfolg einzuschätzen und zu entscheiden, ob die Behandlung, die auf ein spezielles Therapieziel ausgerichtet ist, Veränderungen braucht. Als medizinische Fachkraft spielen Sie eine Schlüsselrolle für den Erfolg des Treat-to-Target- Konzepts. Sie können Patienten darin unterstützen, ihre eigene Meinung über ihre Krankheit bzw. Gesundheit zu entwickeln, ihre Therapieziele selbst zu definieren und an deren Erreichung aktiv mitzuarbeiten.

  1. Nurse Panel N-ECCO, 15.02.2018, Wien. „Treat to target – Are you ready?”

  2. WHO Guidelines on Hand Hygiene in Health Care: First Global Patient Safety Challenge Clean Care Is Safer Care. Geneva: World Health Organization; 2009. 2, Patient empowerment and health care. Available from: www.ncbi.nlm.nih.gov/books/NBK144022/

  3. Colombel JF et al. Gastroenterology 2017; 152: 351–361.e5

  4. Peyrin-Biroulet L et al. Am J Gastroenterol 2015; 110: 1324–1338

Zuletzt aktualisiert: 03.09.2021