CED Patienten mit Fatigue profitieren von kognitiver Verhaltenstherapie

Das chronische Erschöpfungssyndrom (chronic fatigue syndrome, CFS, „Fatigue“) ist die dritthäufigste Begleiterkrankung von Patienten mit einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung (CED).1Fatigue kann sehr lange andauern und mit einem hohen Leidensdruck und starken Leistungseinschränkungen einhergehen.2Bis heute sind die optimalen Therapiemöglichkeiten dafür unklar. Behandlungsprotokolle für Fatigue im Rahmen von anderen Erkrankungen basierten auf kognitiven verhaltenstherapeutischen Maßnahmen. Deren Wirksamkeit wurde jetzt im Rahmen einer aktuellen Studie auch bei CED-Patienten mit Fatigue untersucht.1Die Ergebnisse dieser Studie wurden auf dem N-ECCO-Kongress 2018 vorgestellt.

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In fast allen Fällen führt die Fatigue-Symptomatik zu einer wesentlichen Einschränkung der beruflichen, schulischen, sozialen und persönlichen Aktivitäten.2 Die Wirksamkeit pharmakologischer, komplementärmedizinischer und anderer Behandlungsverfahren beim CFS ist noch nicht ausreichend belegt. Neben einem individuell angepassten körperlichen Training hat sich die kognitive Verhaltenstherapie als hilfreich erwiesen.2 Diese nutzt psychologische Techniken, um negative Gedanken, die die Erholung negativ beeinträchtigen, gegen realistische Alternativen auszubalancieren. Wichtige Komponenten sind hier die Patientenmotivation und die Erkennung sowie Veränderung von Wahrnehmungen, die mit der Müdigkeit in Zusammenhang stehen. Mithilfe der kognitiven Verhaltenstherapie lernen die Patienten, ihre Symptome zu kontrollieren.

Artom et al. untersuchten in einer randomisierten, kontrollierten Pilotstudie die Wirksamkeit einer kognitiven Verhaltenstherapie bei CED-Patienten mit Fatigue. Insgesamt nahmen 31 Patienten an der Studie teil. Sie wurden in eine Interventionsgruppe (15 Patienten) und eine Kontrollgruppe (16 Patienten) eingeteilt. Die Probanden der Interventionsgruppe erhielten ein Handbuch über kognitive verhaltenstherapeutische Maßnahmen für das Management der Fatigue, eine persönliche Therapiesitzung von 60 Minuten und sieben 30-minütige therapeutische Behandlungsgespräche am Telefon über einen Zeitraum von acht Wochen. Die Probanden der Kontrollgruppe erhielten nur eine informative Broschüre über Fatigue ohne weitere therapeutische Unterstützung.

Die Studienteilnehmer wurden zu Studienbeginn und nach drei Monaten untersucht bzw. befragt. Insgesamt 22 Probanden durchliefen das komplette Studienprogramm. Drei Monate nach der Randomisierung ergaben sich bei den Patienten der Interventionsgruppe signifikant reduzierte Fatigue-Scores und eine Verbesserung der Lebensqualität (siehe Abbildung). Es zeigte sich, dass die kognitive Verhaltenstherapie von den Patienten angenommen wurde und dabei die Gedanken, das Verhalten und die Gefühle der Patienten ihrer Fatigue gegenüber positiv verändert hatte.

Die an der Studie beteiligten Therapeuten fanden, dass die kognitive Verhaltenstherapie bei CED Patienten mit Fatigue geeignet sei. Allerdings sei ein breiter Einsatz dieser Therapieform aufgrund des Zeitaufwandes, der Finanzierung und der Ausbildungseinschränkungen schwierig.

Fazit

Die vorliegenden Studienergebnisse zeigten, dass eine kognitive Verhaltenstherapie für das Management einer Fatigue bei CED-Patienten gut durchführbar ist und die Symptomatik der Fatigue verbessern kann.

  1. Artom M et al. Cognitive behavioural therapy for the management of inflammatory bowel disease-fatigue: A pilot randomised controlled trial. 13. Jahreskongress der „European Crohn’s and Colitis-Organisation“ (ECCO), 14. – 17. Februar 2018, Wien. Nurses oral presentations: Abstract NO001

  2. Wülker A. Chronic Fatigue Syndrome. Ständig müde und erschöpft, was steckt dahinter? Ars Medici 2006; 20: 975–976

Zuletzt aktualisiert: 03.09.2021