Zur Gastroenterologie kam Prof. Seiderer-Nack ursprünglich über Forschung und Grundlagenmedizin. Themen wie Immunologie, Darmmikrobiom und Genetik haben sie dabei schon früh fasziniert. Gleichzeitig erlebte sie eine Zeit großer Veränderungen in der CED-Therapie:
„Damals kamen die ersten Biologika auf den Markt und plötzlich gab es ganz neue Therapieoptionen.“
Bis heute begeistert sie besonders die Verbindung aus wissenschaftlicher Innovation und unmittelbarer Patient:innenversorgung – und die Möglichkeit, moderne schulmedizinische Ansätze mit ihren persönlichen Schwerpunkten wie Ernährung, Mikrobiom und komplementären Therapieansätzen zu verbinden. Gleichzeitig sieht sie aber auch die Herausforderung, moderne Therapiekonzepte in den klinischen Alltag zu übertragen, denn zwischen theoretischen Möglichkeiten und der tatsächlichen Versorgung besteht aus ihrer Sicht häufig noch eine deutliche Diskrepanz.
Was ihren eigenen Weg besonders geprägt hat, waren Menschen, die unterstützt, motiviert und Orientierung gegeben haben:
„Für mich persönlich war es immer spannend, von Menschen – sei es Kolleg:in oder Patient:in – zu lernen.“
Eine wichtige Rolle spielten dabei auch Mentoringprogramme für junge Ärztinnen. Der Austausch mit erfahrenen Kolleginnen und weiblichen Führungspersönlichkeiten habe ihr früh gezeigt, wie wertvoll starke Netzwerke sein können – nicht nur fachlich, sondern auch persönlich.
Für Prof. Seiderer-Nack steht fest: Mehr sichtbare Frauen in der Viszeralmedizin würden nicht nur die Realität des Fachs besser widerspiegeln, sondern auch neue Perspektiven in Führung, Kommunikation und Zusammenarbeit aufzeigen:
„Frauen würden sichtbarer in der für sie eigenen Art, Medizin zu denken – sei es in der Art der Führung und Kommunikation, aber auch in der Herangehensweise, geschlechterspezifische Aspekte in der Gastroenterologie mehr einzubauen.“
Gleichzeitig sieht sie weiterhin strukturelle Herausforderungen, insbesondere dann, wenn Karrierewege und familiäre Verantwortung zusammenkommen. Deshalb brauche es sichtbare Rollenvorbilder, die zeigen, dass sich Familie, Medizin und Führungsebene vereinbaren lassen. Denn mehr sichtbare Frauen im Fach hätten deshalb auch einen wichtigen Vorbildcharakter für die junge Generation.
Bei den von ihr erlebten Mentoringprogrammen war allerdings die Diskrepanz zwischen Theorie und dem echten Alltag an der Universitätsklinik groß, besonders hinsichtlich der Möglichkeit einer Facharztausbildung in Teilzeit.
Auch ihr eigenes Verständnis von Führung habe sich im Laufe der Jahre verändert. Während früher Leistung und Funktionieren stärker im Vordergrund standen, spielen heute vor allem Kommunikation, Austausch und Vorbildfunktion eine wichtige Rolle.
Jungen Kolleginnen rät Prof. Seiderer-Nack deshalb vor allem, Vertrauen in den eigenen Weg zu entwickeln und sich aktiv zu vernetzen:
„Den jungen Kolleginnen kann ich nur raten, an sich zu glauben, gute Netzwerke und Mentorinnen zu finden und sich nicht beirren zu lassen.“
EXA/DE/ENTY/1892 – EXA/DE/ENTY/2059