Behandlungsmöglichkeiten bei perianalen Fisteln

Die Behandlung von perianalen Fisteln bei Morbus Crohn ist herausfordernd und erfordert eine enge interdisziplinäre Abstimmung zwischen Gastroenterologen, koloproktologischen Chirurgen sowie relevanten weiteren Fachärzten.1

Welche Ziele hat die Behandlung?

Kurzfristig hat die Behandlung perianaler Fisteln das Ziel, die Symptome wie Schmerzen, Druckgefühle und Ausfluss zu behandeln. Auch sollen Abszesse, also hochgradig entzündete Formen einer Fistel, die Ausweitung der Entzündung auf den Körper verhindern.

Langfristiges Ziel ist die Austrocknung, der Verschluss und damit die Heilung der Fistel. Die Behandlung soll die Funktionsfähigkeit der Schließmuskel erhalten, die Lebensqualität der Patienten verbessern und ihnen ein möglichst uneingeschränktes Leben ermöglichen. Im Behandlungsprozess spielen der Patient, seine Ziele und seine Mitarbeit bei der Therapie eine große Rolle.

Klinische Ziele:

  • Heilung der Fistel

  • Langfristiger Fistelverschluss

Ziele für den Lebensstandard der Patienten

sind der Erhalt der

  • Lebensqualität

  • Kontinenz

  • Sexualität und Partnerschaft

  • Berufstätigkeit sowie aktive Teilnahme am gesellschaftlichen Leben

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Medikamentöse Therapien/Immunmodulatoren

  • Bei einer akuten Entzündung der Fistel und bei starken Symptomen wie Schmerzen und Ausfluss kommen häufig Antibiotika zum Einsatz. Sie lindern diese Symptome im Allgemeinen rasch, können die Fistel aber nicht heilen. Der dauerhafte Einsatz von Antibiotika ist immer mit der Gefahr verbunden, dass die Antibiotika nicht mehr wirken (Resistenz).1,2

  • Zur Behandlung der Fisteln aufgrund eines Morbus Crohn werden Arzneimittel verwendet, die auch die zugrundeliegende Erkrankung, den Morbus Crohn, therapieren. Dazu zählen Medikamente, die das Immunsystem beeinflussen, sogenannte Immunmodulatoren.1

Biologika-Therapien

  • Zur Therapie perianaler Fisteln bei Morbus Crohn werden auch Biologika eingesetzt. Bei dieser Substanzklasse handelt es sich um Antikörper (große Proteinmoleküle). Biologika behandeln gezielt Entzündungen durch die Blockade von sogenannten Zytokinen (kleine Proteinmoleküle). Biologika werden als Infusion gegeben oder gespritzt.

Abszess-/Fadendrainage

  • Ein Abszess, also eine verstopfte und hochgradig entzündete Fistel, muss in jedem Fall chirurgisch behandelt werden, damit das Sekret ablaufen kann.

  • Eine Abszess- oder Fadendrainage wird durchgeführt, um einen erneuten Abszess zu verhindern und akute Symptome zu behandeln. Dafür wird durch die Fistelgänge ein Faden gezogen und außerhalb des Körpers verknotet, um die Fistel offenzuhalten und so die Flüssigkeit abfließen zu lassen.

Fistel-Operation

  • Einfache Fisteln, die keine Symptome zeigen, müssen nicht zwingend behandelt werden.1 Sollten einfache Fisteln Beschwerden bereiten, können sie durch den koloproktologischen Chirurgen aufgeschnitten (gespalten) oder mit einer Fadendrainage versorgt werden. Nach Entfernen des krankhaften Gewebes aus dem Fistelgang kann die betroffene Stelle wieder zuheilen.

  • Bei komplexen perianalen Fisteln können chirurgische Spaltungen zu einer dauerhaften Schädigung der Schließmuskeln und in Folge zu Stuhlinkontinenz führen.3 Deshalb ist eine Spaltung (Aufschneiden) komplexer perianaler Fisteln nur in ausgewählten Fällen zulässig.1
    Stattdessen wird in solchen Fällen die innere Öffnung eines Fistelgangs operativ verschlossen, um das Eindringen von Flüssigkeit und Stuhl zu verhindern. In besonders schweren Fällen werden auch künstliche Darmausgänge (Stoma) in Betracht gezogen, um die betroffene Region zeitweilig oder dauerhaft ruhig und symptomfrei zu stellen.

Stammzelltherapie

Eine neue Behandlungsmöglichkeit ist die Therapie mit Stammzellen. Diese werden von einem koloproktologischen Chirurgen direkt in die Wände der perianalen Fistel gespritzt und können die Entzündung lokal reduzieren. 

  1. Preiß JC et al. Z Gastroenterol. 2014;52:1431-1484.

  2. Gionchetti P et al. J Crohns Colitis. 2017;11(2):135-149.

  3. Norton C et al. J Crohns Colitis. 2013;7(8):e302-e311.

  4. Aguilera-Castro L et al. Ann Gastroenterol. 2017;30(1): 33-44.

  5. Baumgart DC and Sandborn WJ. Lancet. 2012;380(9853):1590-605.

Zuletzt aktualisiert: 02.05.2019