Eine Fehlregulation des Immunsystems mit multifaktorieller Genese

Bisher konnte die Ätiologie der Colitis ulcerosa nicht vollständig geklärt werden. Vermutlich spielen bei der Krankeitsentstehung ein überaktives intestinales Immunsystem, Genetik sowie Umweltfaktoren eine Rolle.6

Abstammung

  • Das Risiko für eine Colitis ulcerosa ist bei Kaukasiern und aschkenasischen Juden erhöht.7

  • Bei Personen mit einer Familienanamnese (Verwandte 1. Grades) ist das Risiko, ebenfalls an einer Colitis ulcerosa zu erkranken, 10- bis 15-mal höher als in der Allgemeinbevölkerung.1

Umwelt- und anamnestische Faktoren

  • Menschen in Industrieländern sowie in städtischen Gebieten erkranken häufiger an der chronischen Darmentzündung.7

  • Infekte und Medikamente wie Antibiotika steigern das Risiko, eine Colitis ulcerosa zu entwickeln. Rauchen senkt es hingegen, wie möglicherweise auch eine Appendektomie in der Kindheit.1

Genetische und immunologische Faktoren

  • Verschiedene Genorte, die in Zusammenhang mit Colitis ulcerosa gebracht werden, sind beispielsweise assoziiert mit Interleukin(IL)-Signalwegen bei der Entzündungsregulierung (IL-23R, IL-12B, STAT3)[8], Schleimhautbarriere, Apoptose sowie T-Helferzell-Differenzierung (Th1, Th17).9

  • Zudem ist bei Colitis ulcerosa die IL-5- und IL-13-Produktion durch natürliche Killer(NK)-Zellen deutlich erhöht, zugleich ist die Interferon-Produktion vermindert. Dies deutet daraufhin, dass – anders als bei Morbus Crohn – die TH2-Zell-vermittelte Immunreaktionen im Vordergrund steht, nicht jedoch die TH1-Immunantwort.8

  • Der bei Colitis ulcerosa vorliegende ausgeprägte epitheliale Barrieredefekt der Darmmukosa bietet der Mikrobiota die Möglichkeit, direkt mit verschiedenen Zelltypen zu interagieren. Lamina-propria-NK-T-Zellen wirken zytotoxisch auf die Epithelzellen der Darmmukosa und verstärken daher die Immunaktivierung durch den konsekutiven Einstrom mikrobieller Bestandteile.8

Ein wesentlicher pathophysiologischer Mechanismus für das Aufrechterhalten einer lokalen Entzündungsreaktion ist das Einwandern von Leukozyten aus den Gefäßen in das Gewebe. Hierfür ist das Zusammenspiel von Adhäsionsmolekülen auf dem Endothel und den Leukozyten von entscheidender Bedeutung. Eine zentrale Rolle nehmen hierbei die α4-Integrine als ein wichtiger Bestandteil von komplexen Adhäsionsmolekülen ein.10

Im Rahmen der chronischen Entzündungsaktivität im Darm kommt es bei Colitis ulcerosa wie auch bei Morbus Crohn u.a. zu einer Hochregulierung des Adhäsionsmoleküls MAdCAM-1 (mucosal vascular addressin cell adhesion molecule-1). Zudem wird das α4β7-Integrin auf den Gedächtnis-T-Zellen im Darm hochgradig exprimiert.10


Zuletzt aktualisiert: 12.04.2018