Eine Fehlregulation des Immunsystems mit multifaktorieller Genese

Die exakte Ursache des Morbus Crohn bleibt weiterhin unklar. Vermutlich spielen bei der Krankeitsentstehung eine Reihe von Faktoren – wie z.B. Vererbung und eine Fehlfunktionen des Immunsystems – eine Rolle.5

Abstammung

  • Das Risiko für Morbus Crohn ist bei Kaukasiern und aschkenasischen Juden erhöht.7

  • Morbus Crohn weist eine familiäre Häufung auf. Bei Personen mit einer Familienanamnese (Verwandte 1. Grades) ist das Risiko deutlich erhöht, ebenfalls an einem Morbus Crohn zu erkranken, was auch Zwillingsstudien nahelegen.8

Umwelt- und anamnestische Faktoren

  • Menschen in Industrieländern sowie in städtischen Gebieten erkranken häufiger an der chronischen Darmentzündung.7

  • Nikotinkonsum sowie eine frühere Appendektomie sind Risikofaktoren für einen Morbus Crohn. Auch eine infektiöse Gastroenteritis im Jahr vor der Erstdiagnose ist mit dem Auftreten eines Morbus Crohn assoziiert.2

Genetische und immunologische Faktoren

  • Es gibt einen klaren Zusammenhang zwischen Genmutationen von NOD2 (CARD15) und Morbus Crohn, vor allem bei Ileumbefall und Stenosenentwicklung.[2] Das NOD2-Gen kodiert ein Protein, das von Leukozyten im Blut exprimiert wird und eine wichtige Rolle bei der Immunantwort auf Bestandteile eindringender Bakterien spielt.9

  • Es wurden weitere Genloci identifiziert, die mit einem erhöhten Erkrankungsrisiko assoziiert sind und – durch Umweltfaktoren getriggert – u.a. zu einer intestinalen Barrierestörung, Zelldysfunktionen, verminderter Erkennung von Mikroben, Dysbalance von T-Zellen und Zytokinen führen können, das heißt insgesamt zu einer fehlerhaften Immunantwort.8

  • Morbus Crohn ist mit anderen genetisch beeinflussten Erkrankungen assoziiert (z.B. Asthma, Multiple Sklerose, Typ-1-Diabetes).8

Ein wesentlicher pathophysiologischer Mechanismus für das Aufrechterhalten einer lokalen Entzündungsreaktion ist das Einwandern von Leukozyten aus den Gefäßen in das Gewebe. Hierfür ist das Zusammenspiel von Adhäsionsmolekülen auf dem Endothel und den Leukozyten von entscheidender Bedeutung. Eine zentrale Rolle nehmen hierbei die α4-Integrine als ein wichtiger Bestandteil von komplexen Adhäsionsmolekülen ein.10

Im Rahmen der chronischen Entzündungsaktivität im Darm kommt es bei Morbus Crohn wie auch bei Colitis ulcerosa u.a. zu einer Hochregulierung des Adhäsionsmoleküls MAdCAM-1 (mucosal vascular addressin cell adhesion molecule-1). Zudem wird das α4β7-Integrin auf den Gedächtnis-T-Zellen im Darm verstärkt exprimiert.10


Zuletzt aktualisiert: 12.04.2018