Mitentscheiden, mitdiskutieren, mitgestalten: Empowerment Für meine Patienten, für meine MFA, für mich

Um tiefe, langanhaltende Remission zu erreichen, braucht es nach Meinung von Prof. Dr. med. Andreas Sturm (Chefarzt der Klinik für Innere Medizin, Schwerpunkt Gastroenterologie, DRK Kliniken Berlin Westend) und Susann Wienecke, CED-Fachassistenz, 3 Mitspielende: Arzt, Patient und Fachassistenz. Die Patienten bilden hierbei die mittlere und für beide wichtigste Säule. Faktoren, die zum Nichterreichen dieses Behandlungsziels führen können, sind beispielsweise eine falsche Erwartungshaltung, ein niedriger Wissensstand über die Erkrankung oder eine schlechte Adhärenz. Diese Hindernisse lassen sich in vielen Fällen durch Shared Decision Making (SDM), also eine gemeinsame Entscheidungsfindung, umgehen.

Shared decision making (SDM) braucht Empowerment des Patienten

  • Der Begriff „Empowerment“ stammt aus dem englischen und bedeutet so viel wie Selbstbefähigung“ bzw. „Ermächtigung

  • Patienten-Empowerment hat das Ziel, die Stellung des Patienten durch einen hohen Wissensstand so zu verbessern, dass er nach der Diagnose rasch die Basis für eine gemeinsame, für alle zufriedenstellende Entscheidung auf Augenhöhe mit dem Behandlungsteam hat

  • Denn: In der Realität treffen Patienten oft die Entscheidungen über ihre weitere Behandlung, ohne ihre Optionen wirklich umfänglich verstanden zu haben

Für eine erfolgreiche Umsetzung braucht es jedoch eine Kultur, in der eine aktive Mitarbeit von Patienten auf allen Ebenen begrüßt wird – und die Bereitschaft des Behandlungsteams, ein großes Maß an Zeit in die Aufklärung durch den Arzt zu investieren.

Was Sie als MFA konkret tun können:

  • Ärztliche Sprechstunden-Termine für persönliche (längere) Gespräche vereinbaren

  • Video- oder Telefonsprechstunden in der Praxis/Klinik einführen

  • Fragen der Patienten, die nach der Sprechstunde an die MFA getragen werden, an den Arzt weitertragen

  • Zusätzliche Informations-Gespräche mit der Fachassistenz anbieten

  • Arzt-Patienten bzw. Pflege-Patienten-Seminare und Austauschformate zwischen Patienten organisieren

  • Zusätzlich zur ärztlichen Aufklärung aktiv informieren über:

    • Die Erkrankung selbst, mögliche Ursachen und Tipps im Umgang mit einer CED

    • Therapieablauf, Anwendung und mögliche Nebenwirkungen, Darreichungsformen, Therapiedauer, Verhalten während der Therapie

    • Gute Wissensquellen: z.B. Website der DCCV, geprüfte Literatur, Selbsthilfegruppen

Es gibt leider keine goldenen Regeln für die Aufklärung durch den Arzt, denn alle Patienten sind unterschiedlich – in ihrem Wissensstand, Persönlichkeits- und Sozialstruktur oder Zugang zu Medien. Aber: Geduld, leichte Sprache und die Verwendung bildhafter Worte (ggfs. unterstützt durch Abbildungen) seien oft hilfreich, rät Susann Wienecke.