Ein unschlagbares Team für Patienten – wie Ärzte und medizinische Fachassistenzen einander ergänzen

Gastroenterologe Dr. med Bernd Bokemeyer und Petra Hartmann (CED-Fachassistenz und erste Vorsitzende der FA-CED), die seit vielen Jahren Hand in Hand in der gastroenterologischen Gemeinschaftspraxis in Minden arbeiten, sind sich einig: Eine entsprechend geschulte CED-Fachassistenz kann als zentrale Anlaufstelle der Patienten eine Lotsen-Funktion übernehmen, die echte interdisziplinäre Zusammenarbeit und somit eine bestmögliche Patientenbetreuung ermöglicht. Zudem ist sie erste Ansprechperson für sensible Themen, die Patienten beschäftigen, im zeitlichen Rahmen der Sprechstunde aber wenig Raum finden.

Um in dieser Aufstellung das Potenzial guter Teamarbeit wirklich zu nutzen, ist unabdingbar, dass nicht nur unerwünschte oder liegengebliebene Arbeit an die CED-Fachassistenz abgetreten wird, sondern Themen und Verantwortlichkeiten gemeinsam identifiziert und verteilt werden.

Laut Dr. Bokemeyer zeigten erste Auswertungen der laufenden EASEIBD-Studie1, einer Erhebung und Analyse strukturierter Versorgungsansätze bei IBD in Form einer anonymen Befragung von 2.445 CED Patienten (n DE= 1.735, n AT= 612, n CH= 98) ein positives Bild der CED-Behandlung in Deutschland, Österreich und der Schweiz wie folgt:

der CED-Patient*innen sind mit ihrer Behandlung in gastroenterologischen Praxen bzw. Krankenhausambulanzen zufrieden

 

empfinden die medizinische Behandlung sogar als „so gut wie perfekt“                                                                         

Diese erfreulichen Ergebnisse lassen sich, so die Einschätzung von Dr. Bokemeyer, zumindest zu Teilen darauf zurückführen, dass in der EASE-IBD-Studie primär Patienten spezialisierter Zentren und Praxen befragt wurden, in denen bereits jetzt unter anderem ein gutes Zusammenspiel von Ärzten und MFAs gelebt wird.

Während Ärzte auf der einen Seite beim Therapieziel steroidfreier Remission ansetzen sollten, dürfen die Wünsche der Patienten nicht außer Acht gelassen werden, finden Dr. Bokemeyer und Petra Hartmann. Hier werden beispielsweise Ansprechpersonen genannt, die zusätzlich zum behandelnden Arzt auch im Umgang mit der Erkrankung und zugehörigen Themen wie Ernährung, Freizeitgestaltung oder Partnerschaft unterstützen und auffangen können.2 Und genau in diesem Punkt kann die CED-Fachassistenz die ärztliche Behandlung ideal ergänzen.

Das vielschichtige Potenzial für den Einsatz geschulter CED-Fachassistenzen lässt sich in Ländern erkennen, in denen die Rolle der IBD-Nurse bereits etabliert ist:

 

ärztliche Ressourcen werden frei3-5                                                                                                                                         

Faktoren wie allgemeines Wohlbefinden oder sexuelle Probleme und damit die Lebensqualität der Patienten bessern sich deutlich3-5

die zusätzliche Betreuung wirkt sich positiv auf das Bild der Praxis oder Klinikambulanz und damit die Patientenbindung aus.

Passende Fortbildungsangebote finden Sie auf der Website des Kompetenznetzes für Darmerkrankungen.

Im Rahmen der CED BioAssist-Studie, die die offizielle Implementierung des Berufsbildes der CED-Fachassistenz zum Ziel hat, bietet das Kompetenznetz Darmerkrankungen auch die Schulung zur CED-Fachassistenz „Bio-Assist“ an. Sie sind interessiert an einer Teilnahme? Hier geht es zur Studie.

  1. Arbeitsgemeinschaft IBD D-A-CH. Erhebung und Analyse strukturierter Versorgungsansätze bei IBD (EASE-ibd). DRKS00017827. unter: https://www.drks.de/drks_web/navigate.do?navigationId=trial.HTML&TRIAL_ID=DRKS00017827 (zuletzt abgerufen am: 04.11.2020)
  2. Herzog N, Hüppe A. 2019. Data on file. CEDBioAssist. Kompetenznetz Darmkerkrankungen.
  3. Kemp et al. J Crohns Colitis. 2013;7(9):386-394.
  4. Jelsness-Joergensen et al. J Crohns Colitis. 2012;6(9):887-94.
  5. Leach et al. J Crohns Colitis. 2014;8(5):370-4.